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Die chinesische Hochsprache (Mandarin) lernen

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Erstellt: 8. Mai 2019 Modifiziert: 8. Mai 2019

In den 80er Jahren hatte ich den ersten Kontakt mit der asiatischen Kultur. Ich lernte über die japanischen Kampfkünste die Menschen, deren Kultur und Geschichte kennen. Über Arbeitskollegen wie Khoa konnte ich ein wenig die vietnamesische Mentalität und Kultur erleben. Über eine langjährige Freundin, die als Chinesin in Hongkong aufgewachsen ist und seit über 20 Jahren in der Schweiz lebt, konnte ich in unzähligen Gesprächen die Feinheiten von “Kanton”, “Hongkong” und “Festland China” sowie Taiwan erfahren. Das aktuelle China verändert sich sehr stark und sehr schnell. Daher wurde es Zeit für mich das Hochchinesisch (auch bekannt als “Mandarin”) zu lernen. Und natürlich mehr über die Geschichte und Kultur der Menschen zu erfahren. Was abgesehen von Büchern vor allem dank der Wikipedia und andere Internetseiten einfach ist.

Einleitung

Es gibt viele chinesische Sprachen, alle verbunden mit den (fast) gleichen Schriftzeichen. Was man im Allgemeinen als «Mandarin» bezeichnet ist die chinesische Hochsprache. Diese ist primär in den Ländern China, Taiwan und Singapur stark verbreitet. Die offizielle “Definition” der allgemeinen Hochsprache ist: “Die Pekinger Aussprache als Standardaussprache, die Sprache der nördlichen Regionalsprachen als Standardsprache, die Grammatik aus den – vorbildlichen modernen – báihuàwén-Werken als Standardgrammatik.”

Die Schrift ist nur fast gleich, weil «Hong Kong» und «Taiwan» an der traditionellen Schreibweise festhalten. Seit der Schriftreform vom Jahre 1958 werden in der Volksrepublik China (und später auch in Singapur) offiziell die vereinfachten Zeichen verwendet. Taiwan und in Hongkong dagegen werden weiterhin die traditionellen Zeichen benutzt. China Uncensored hat einen spannen Videoclip zum Thema “Simplified vs Tradional Chinese Characters” veröffentlicht

2014 besuchte ich ein Semester an der EB Zürich. Die Kursleiterin Sylvie Xing Chen leitete einen farbigen Unterricht, den realen chinesischen Alltag und die klassische Kaligrafie mit einschloss. Jetzt (huch – wie die Zeit verfliegt) erfolgt die zweite Runde. Autodidaktisch und ergänzend mit Training (Frau Huiqin Mao) über Skype gehe ich auf die erste HSK Prüfung zu.

Die Organisation des Projektes mache ich mit Microsoft One Note. Dieser Blogartikel ist mein Notizheft, wo ich verschiedene Informationen zu “chinesischer Sprache” speziell hinsichtlich der Situation eines lernen festhalte.

Hintergrund

Pinyin

Das lateinische Schriftsystem mit dem die chinesische Sprache mit lateinischen Buchstaben geschrieben wird heisst “Pinyin”. Insgesamt gibt es sieben verschiedene Pinyin Systeme. Für alle gilt: die Silben entsprechen bestimmten (chinesischen) Tönen entsprechen. Man darf es keinesfalls aussprechen (was je nach Muttersprache des Lesers anders klingt) wie man es liest. YoYo Chen hat dieses witzige Video dazu gemacht. Pinyin hat 409 Klänge, diese bauen auf den vier chinesischen Töne auf:

Klang Pynyin traditionell simpel Zeichen
1 Hoch dì yī shēng 第一聲 第一声 ¯
2 mittel nach hoch dì èr shēng 第二声 第二声 ´
3 mittel nach unten und wieder nach halb hoch dì sān shēng 第三聲 第三声 ˇ
4 nach unten dì sì shēng 第四聲 第四声 `

Der fünfte Ton wird kaum erwähnt, da in der Praxis nicht relevant ist. Mit dem Wissen dieser 4 Töne bzw. dem Zeichen das es darstellt, kann ich in Computern die Eingabe vereinfachen. Angenommen ich suche das Wort «mǎ» Dazu gehe ich z.B. auf die Website von «Leo» und gebe das Wort «ma» ein. Das Resultat zeigt natürlich jede Variante an:

Präziser und schneller ist also die Suche mit dem Hatschek, dem Zeichen auf dem «a». Das geht auch ohne, dass ich die Computertastatur auf Pinyin umstellen muss. In der Tabelle oben sieht man, dass es das dritte Zeichen ist, also ergänze ich das Wort mit der Zahl «3»:

Dieselbe Logik kann in diesem Pinyin Editor der Website von «chinesisch-lernen.org» anwenden. Mit einem anderen Editor auf dieser Website, kann man die Pinyin Worte in die chinesische Kurzschrift übersetzen.

Windows und Microsoft Office

Zur Zeichenkodierung existiert eine eigene Wikipedia Sektion. Die Pinyin Zeichen sind in Unicode integriert. D.h. sie können wie die klassischen ASCII / ANSI Werte über die Alt-Taste und den numerischen Ziffernlbock (Notebook: FN – Taste) eingegeben werden.
Man kann «Chinesisch, simplidfied» als zweite Sprache installieren:

Über Options – unterhalb von «Microsoft Pinyin» kann ich auch bestimmen, ob ich die einfachen oder traditionellen Schriftzeichen anwenden will:

Danach kann mit der Windows Taste und Leerschlag zwischen den installierten Sprachen gewechselt werden. Wenn «chinesisch» aktiv ist, kann über die Taste «Umstellen» (Shift) zwischen englischer und chinesischer Eingabe gewechselt werden. Damit kann kein Pinyin Text erstellt werden.

Diakritische Zeichen in Pyning

DE EN Zeichen Unicode ASCII
Makron Macron ¯U0304  
AkutAcut Accent´U0301 
HatschekCaronˇU030C 
GravisGrave accent`U0300096

Die vier Töne

1.Ton 2.Ton 3.Ton4.Ton
MakronAkutHatschekGravis
ā = U+0101á = U+00E1ǎ = U+01CEà = U+00E0
ē = U+0113é = U+00E9ě = U+011Bè = U+00E8
ī = U+012Bí = U+00EDǐ = U+01D0ì = U+00EC
ō = U+014Dó = U+00F3ǒ = U+01D2ò = U+00F2
ū = U+016Bú = U+00FAǔ = U+01D4ù = U+00F9
ǖ = U+01D6ǘ = U+01D8ǚ = U+01DAǜ = U+01DC

Einzeln die Sonderzeichen einfügen

Da mit Ausnahme des Graves keines der Zeichen zum ASCII Zeichensatz gehört, wird es innerhalb des MS Office Paketes als Unicode Zeichen eingefügt. In der MS Office Versionen 2007 bis 2013 erfolgt das über den Menu punkt “Einfügen”, Toolbar “Symbol”, Untermenü punkt “Weitere Symbole”. Oder über di Tastatur. Genauer den numerischen Ziffernblock, welcher i.d.R. auch bei Geräten wie Notebooks über die FN Taste genutzt werden kann. Andernfalls fügt man die einzelnen Zeichen über das Menu ein.

Die Website «pinyinjoe.com» bietet verschiedene Office Makros «fix fertig» zum download an. In der ZIP Datei sind die VBA Anweisungen in einer Textdatei (z.B. PinyinJoe_ToneMarkMacro_Word_v1.2). Die Befehle sind elementare «find» und «replace» Befehle. Das Vorgehen wird auf der Website beschrieben und ist leicht umzusetzen. Word starten, VBA Editor (Alt + F11) starten, eine neue «Sub» erstellen und den Text dazwischen einfügen.

Wer sich mit der Microsoft Office Programmierung ein wenig auskennt, der wird die Prozedur in eine .BAS Datei speichern. Die man bei Bedarf in einem Word Dokument eingeklinkt werden. Wenn danach das Dokument ohne Makros gespeichert wird, löscht Word den Link. Nicht die Datei selbst.

TrueType Font “Pinyin OK”

Wenn man diese Schrift Download und installiert hat man direkten Zugriff auf die Pinyin Zeichen. Nach dem download am einfachsten mit «Drag and Drop» in den Menupunkt «Schriften» in der Systemsteuerung fallen lassen. Danach ist die Schrift installiert.

Danach kann ich diese Schrift in allen Windows Programmen einsetzen. Ich gehe über den Menupunkt Symbole einfügen, wähle dort die Schrift «Pinyin Okay» aus, Subset «Erweitertes Lateinisch-A» bzw. «B».

Wenn ich an einem längeren Text in Pinyin arbeite, kann ich oft die Abkürzung über die bereits eingefügten Symbole gehen. In MS Office 2016 war der «MS Word Phonetic Guide» nicht installiert. Erst mit dem installieren der Sprachoption «Chinese simplified» wurde das Menu entsprechend ergänzt. Danach hatte ich den Menupunkt in Word, jedoch war die Tabelle leer. Die Website «Pinyin Joe» hat dafür eine Lösung.

Schrift

Die chinesische Schrift wirkt abschreckend kompliziert. Jedoch ist Basis der Schrift sie sogenannten Radikalen. Von diesen Grundmustern hat es 214 («Kangxi») bzw. 227(https://de.wikipedia.org/wiki/227_Radikale”>227). Sie sind kein Äquivalent zum Alphabet, was natürlich für Westler der erste Gedanke ist.

Übersicht

Die Radikale ersetzen nicht das auswendig lernen der Zeichen (Worte). Sie geben (manchmal) einen Hinweis, woher bzw. in welche Gruppe ein Wort gehört. Die Radikale werden auch benötigt, um ein Wort in einem chinesischen Wörterbuch zu suchen. Im Zeitalter der Computer hat das an Bedeutung verloren. Sei es das man mit einem Stift oder mit der Hand ein Zeichen malend dem Comuter übergibt. Oder schlicht durch optische Erkennung a la OCR. Die Radikale sind auch über Unicode auf dem Computer verfügbar.

Seit der Schriftreform vom Jahre 1958 werden in der Volksrepublik China (und später auch in Singapur) offiziell die vereinfachten ZeichenTaiwan und in Hongkong dagegen werden weiterhin die traditionellen Zeichen benutzt. Damit konnte der damalige Diktator Mao auch verhindern, dass die neue Generation die alten Bücher lesen kann. Und da die Lehrer und Professoren bereits auf die Reisfelder in die Provinz verbannt waren, konnte der Geist der neuen Chinesen ohne den Ballast der 5000 Jahre alten Traditionen geformt werden.

Frau Huiqin Mao - professionelle Lehrerin für Chinesisch - empfiehlt die ersten chinesischen Zeichen mit Bleistift zu üben. Sie stellt im Internet ein Schriftzeichenpapier zur Verfügung. Die Reihenfolge der einzelnen Striche eines chinesischen Zeichens ist wichtig. Eine genaue Anleitung, welche Regeln beim Zeichnen der Striche zu befolgen sind, habe ich auf dieser Website gefunden. Diese Website hat ein Eingabefeld, die das Zeichen Strich um Strich zeichnet. Das hat mich sehr angesprochen. Analog dem manuellen Briefschreiben bei uns, sind auch bereits viele Chinesen aus der übung geraten. D.h. sie kommunizieren elektronisch und nutzen die Hilfsmittel wie Handy, Tablet oder Computer.

Quellen

Fazit

China ist eine der ältesten Kulturen der Welt. Sie ist die Zukunft der Wirtschaft im 21. Jahrhundert – IMO. Warum nicht chinesisch lernen?

Letzte Änderung May 8, 2019